Multiresistente Erreger (MRE) sind bestimmte Bakterien, die unempfindlicher gegenüber einer Antibiotikatherapie sind als dies für Stämme der gleichen Art üblich ist. Einer dieser Erreger ist der Vancomycinresistente Enterococcus (VRE). Die VREs sind grampositive, fakultativ anaerobe Kugelbakterien, die den Magen-Darm-Trakt von Menschen und Tieren besiedeln, aber auch in Böden und Abwässern vorkommen. Die Spezies mit der größten krankmachenden Bedeutung für den Menschen sind Enterococcus faecalis und Enterococcus faecium.

Eine große Gruppe deutscher Wissenschaftler unter der Federführung von Experten des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) in Braunschweig und der Charité-Universitätsmedizin Berlin wollten wissen, wie häufig der Vancomycinresistente Enterococcus faecium (VREfm) bei Patienten bei der Einweisung ins Krankenhaus vorkommt und welche Risikofaktoren es für die Besiedelung mit diesem multiresistenten Erreger gibt.

Studie

Im Zeitraum zwischen 2014 und 2018 wurden Patienten innerhalb von 72 Stunden nach Einlieferung in 7 an der Studie teilnehmenden Universitätskliniken ausgewählt, auf eine VREfm-Besiedelung hin untersucht und bezüglich möglicher Risikofaktoren befragt. Außerdem wurden Genotyp-Analysen des Erregers durchgeführt. Studienteilnehmer waren schließlich 17.349 Patienten.

Es zeigte sich, dass in den 5 Jahre 256 dieser Patienten mit VREfm besiedelt waren (Prävalenz 1,5 %). Die Prävalenz ist die Häufigkeit einer Krankheit oder eines Symptoms in einer Gruppe oder der Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Risikofaktoren für die VREfm-Besiedelung waren das Lebensalter, eine vorherige oder aktuelle Antibiotikatherapie, die Diagnose einer vorherigen Besiedelung mit einem multiresistenten Erreger, ein vorheriger Aufenthalt in einer Langzeitpflegeeinrichtung oder in einem Krankenhaus und eine vorherige Einnahme von Protonenpumpenhemmern/Magensäurehemmenden Medikamenten.

Die weiteren Analysen ergaben, dass die Prävalenz von VREfm bei der Krankenhauseinlieferung jedes Jahr um 33 % und mit jedem Lebensjahr um 2 % zunahm. 250 der 265 Bakterienisolate wurden genotypisiert und bei 141 (53,2%) der VREfm handelte es sich um einen besonders gefährlichen Typ „ST117“.

Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Das Lebensalter, Kontakte im Gesundheitswesen, eine Antibiotikainnahme und die Einnahme von Protonenpumpenhemmern/Magensäurehemmenden Medikamenten erhöhen das individuelle Risiko für eine Besiedelung mit dem Vancomycinresistenten Enterococcus faecium. Außerdem zeigt sich, dass die Prävalenz einer VREfm-Besiedelung bei der Klinikeinweisung in Deutschland, angefeuert durch die Gefährlichkeit von ST117, zunimmt, so die Studienautoren.

(drs)

Quelle: Abstract aus Clin Microbiol Infect 2023; 29(4): 515-522.

Veröffentlicht am: 23. Mai 2023Kategorien: Medizin aktuellSchlagwörter: ,

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