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Es gibt ein internationales Forschungsprojekt namens „Bat1K“, das sich aus Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus der ganzen Welt zusammensetzt und sich mit der Sequenzierung des Erbguts jeder einzelnen der 1421 lebenden Fledermausarten beschäftigt.
Prof. Dr. Michael Hiller vom Senckenberg Forschungsinstitut hat zusammen mit einem internationalen Forschungsteam im Rahmen des „Bat1K“-Projekts auch hochqualitative Genome von zehn Fledermausarten sequenziert, darunter Arten, die als Träger von Corona- und anderen Viren bekannt sind. Das Interessante ist, dass Fledermäuse die Fähigkeit haben, Corona- und andere Viren zu tolerieren, ohne daran zu erkranken. „Die Fähigkeit von Fledermäusen virale Infektionen zu kontrollieren und dabei nicht krank zu werden, sind vermutlich auf besondere Anpassungen ihres Immunsystems zurückzuführen. Um festzustellen, welche Gene daran beteiligt sind, haben wir unter Verwendung der neuen Fledermausgenome insgesamt 115 Genome anderer Säugetiere analysiert und deren Gene systematisch nach Anzeichen von genetischen Anpassungen durchsucht“, so Professor Hiller.
Das Resultat: Fledermäuse weisen im Vergleich zu anderen Säugetieren deutlich häufiger derartige Anpassungen in Immun-Genen auf. Es gibt ein Gen, das sogenannte Gen ISG15, das bei Menschen mit einem schweren Verlauf von COVID-19 assoziiert ist. Mit diesem Gen haben sich die Wissenschaftler ganz besonders beschäftigt. Sie fanden hier bei den untersuchten Fledermäusen wichtige Änderungen in den Proteinsequenz.
In Experimenten, die in Kanada durchgeführt wurden, konnte gezeigt werden, dass das ISG15-Gen von einigen Fledermäusen die Produktion von SARS-CoV-2-Viren um 80 bis 90 Prozent reduzieren kann. Im Gegensatz dazu zeigt ISG15 aus dem menschlichen Genom kaum eine entsprechende Wirkung. Professor Hiller sagt dazu: „Das Gen ISG15 ist also vermutlich einer von mehreren Faktoren, die zur Viruserkrankungsresistenz bei Fledermäusen beitragen. Auf diesen vielversprechenden Resultaten lassen sich weitere experimentelle Untersuchungen aufbauen, die notwendig sind, um die einzigartigen Anpassungen des Fledermaus-Immunsystems zu entschlüsseln.“
Mitteilung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
(drs)